Im goldenen Mainz haben 1866/67 junge Löhnberger Männer ihren Wehrdienst bei den Feldjägern abgeleistet. Dort erlebten sie erstmals den Karneval (die Fastnacht). Sie haben diese Idee mit nach Hause genommen und so wurde 1868 mit Freunden und Bekannte, mit deren Ideen und in viel Eigenarbeit erstmals ein Karnevalszug zusammengestellt, der dann am Faschingsdienstag durch das Dorf zog. Von den umliegenden Dörfern strömten die Leute herbei und schauten sich das Spektakel an. Alle waren begeistert. So wurden in den Folgejahren Fastnachtumzüge zur Tradition und Löhnberg zur Karnevalshochburg. Unbeschadet der Tatsche, dass verschiedene Honoratioren eigens ein Verein gründeten „Das Blaue Kreuz“ (siehe Dorfchronik von Pfarrer Lehr) mit dem Ziel: „Bekämpfung des Alkoholismus und weltlicher Vereine, auf die Beförderung der Vergnügungssucht“.

Trotz aller Verbote und Gegenmaßnahmen konnte man die Fastnachtsvergnügungen nie unterbinden. Durch den ersten Weltkrieg unterbrochen, wurde die alte Tradition der Umzüge 1923 wieder aufgenommen. Seit 1929 liefen die Umzüge dem Motto: „So einig wie wir stets hier leben, in Löhnberg unter einem Hut, so soll die Fastnacht fortbestehen, das wäre für den ganzen Flecken gut“.

In den Jahren 1929, 1930 und 1937 gab es große Faschingsumzüge die die Löhnberger Fastnacht im mittleren Lahntal bekannt machten. Erwähnt wird auch, dass im Winter 1929, der Fastnachtszug-Kapelle infolge des strengen Frostes, die Blasinstrumente einfroren. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde dem „Närrischen Treiben“ abermals ein Ende gesetzt.

1939 lief in Löhnberg der letzte Umzug. Schon in den Jahren zuvor war den Fastnachtern ein Maulkorb durch das NS-Regime verordnet worden. So durften bei Umzügen keine Figuren aus Staat und Politik karikiert werden. Doch schon 1947 wurde, zunächst durch die Sängervereinigung Rheingold, die Fastnacht zu neuem Leben erweckt. Die Veranstaltungen fanden im Saalbau Bock statt und wurden als närrischer Kostümball aufgezogen.

Im November und Dezember 1949 trafen sich wiederholt die alten Karnevalisten aus der Vorkriegszeit und beschlossen, dass 1950 wieder ein Umzug in Löhnberg laufen sollte. Allerdings sollten junge Karnevalsfreunde im Komitee nachrücken. Die Aufzeichnungen nennen zuvorderst die Narren der Karnevalisten bis 1939: Alfred Schmidt, Otto Zipp, Willi Zipp, Wilhelm Schütz, Willi Keller, Albert Fischer, Albert Schuster, Wilhelm Knoth, Hermann Schmidt, Albert Geis, Wilhelm Erbe II, Heinrich Müller, Karl Strum, Otto Knögel, Walter Bördner, Eugen Schermuly und Fritz Menger.

Am 19. und 25. November 1949 trafen sich im Gasthaus „Schittenhelm“ die alten Karnevalisten, aus der Zeit vor dem letzten Krieg, verstärkt durch inzwischen nachgewachsene junge Fastnachter und gründeten dort einen neuen Elferrat. Noch in der Gründungssitzung wurde beschlossen, in der kommenden Saison einen Umzug zu starten.

Gewählt wurde: zum Präsidenten Walter Bördner, Organisationsminister Gerhard Zipp, Finanzminister Heinz Jung, darüber hinaus Helmut Nies, Rudi Bahr, Erich Menger, Erich Cromm, August Deißmann, Horst Daniel, Walter Schäfer und Ernst Bußweiler.

Die Kassenführung übernahm sofort der neue närrische Finanzminister Heinz Jung. Das Starkapital aus der Zeit vor dem Krieg, war durch die Währungsreform 1948 auf DM 22,83 zusammengeschmolzen.

In einem groß angelegten Spendenprogramm sorgten die Löhnberger Karnevalisten, an der Spitze Orga.Minister Gerhard Zipp und Finanzminister Heinz Jung dafür, dass der Plan umgesetzt werden konnte.

Die „Laneburger“, wie sich die Löhnberger in der närrischen Zeit gerne nennen, stellten innerhalb der kurzen Zeit bis Februar 1950 einen Umzug bestehend aus 54 Gruppen und Wagen zusammen. Außerdem fanden im Saalbau Bock noch Kappensitzungen statt.

Der TuS veranstaltete 14 Tage vor der Großen Kappensitzung seinen traditionellen Maskenball. Wer die Veranstaltung besuchen wollte, musste maskiert sein. Punkt Mitternacht erfolgte die Demaskierung. Die schönsten Masken wurden prämiert.

In einer turbulenten Nachtsitzung des Komitees bei Walter Bördner wurde erwogen, dem Altpräsidenten Alfred Schmidt das Amt und die Ehre des Prinzen Karneval anzutragen. Alfred Schmidt erklärte dann frühmorgens gegenüber den Komiteemitgliedern, W. Bördner, G. Zipp, H. Jung und H. Nies, die Regentschaft und das Zepter in der neuen Laneburger Karnevalsepoche 1950 als „Prinz Alfred I.“ zu übernehmen.

Der Löhnberger Reinhold Leichthammer übergab den Karnevalisten den eigens von ihm getexteten und vom damaligen Chorleiter SV Rheingold Willi Dreuth vertonten Karnevalsmarsch: „Drum hinein in den Löhnberger Karneval“.

Unter dem Motto:„Is aach des leewe iwerall voll Sorje un Gedanke, seid lustig, usser Fassenacht kuriert den schlimmste Kranke Sin ach die Zeire noch so hoard, des derf euch net betriwe. Halt hoch die Lemerjer Fassenacht, Humor, Wurscht un die Liebe“

Tausende Besucher von Nah und Fern sahen den ersten, großen, gelungenen Fastnachtzug nach dem zweiten Weltkrieg. Die Tageszeitungen berichteten von dem großen Ereignis aus der „Hochburg der Fastnacht an der Lahn“.

Das Jahr 1951 stellte das junge Komitee vor neue Probleme. Im Komitee kam es zu Umbesetzung. Alfred Schmidt wurde wieder Präsident, G. Zipp neuer Sitzungspräsidenten. H. Jung als närr. Finanzminister, H. Nies, R. Bahr, blieben der Fastnacht und dem Komitee erhalten. Als neue Mitglieder kamen hinzu W. Rathschlag, W. Maar, H. Caspari, W. Bördner, A. Deißmann, H. Leichthammer und H. Schmidt.

August Deißmann übernahm in der Kampagne 1951 die Regentschaft als „Prinz August I.“ Tageszeitungen berichteten vom großen Erfolg der Kappensitzungen und ergänzten: „Die 11 Männer vom Komitee unter der Leitung von G. Zipp, konnten keinen größeren Erfolg erwarten, doch sie haben nun noch eine größere Aufgabe, vor allem den Fastnachtszug. Die Ouvertüre des Laneburger Karnevals ist gelungen, wie wird erst das Finale sein??“.

Hier sei vom Chronisten angemerkt:“ Das Finale konnte nicht besser und erfolgreicher sein. Es war die Echte, die Laneburger Fassenacht. Der Fastnachtzug mit seinen 54 Gruppen und Wagen war grandios. Tausende Besucher sahen sich das Spektakel an. Aber dem Fastnachtdienstag ging ja noch ein Rosenmontagabend voraus. Der damalige Bürgermeister Lehr mit seinem Gemeinderat hatte die Karnevalisten für den Rosenmontagabend zur, noch im Rohbau stehenden, Volkshalle gebeten. Was lag näher für das Komitee als die (von der Presse so hoch gelobten) Akteure von der Kappensitzung des vorhergehenden Samstags zu aktivieren. „De Gemaaroat“ war vollständig auf der noch nicht überdachen Empore der Halle angetreten, einheitlich mit schwarzen Papierzylindern behutet.

„Prinz August I.“ mit Hofnarr (Wilhelm Gelbert, dem Löhnberger Original - Maleotto genannt) geleitet vom Zeremonienmeister Theodor Fischer, begleitet von der Prinzengarde, vornweg die Kommandeuse Lieselotte Müller, würde auf der Empore empfangen. Die zahlreichen Löhnberger Mitglieder der Weilburger Bürgergarde (Blasmusik) fanden sich spontan ein und spielten auf. Zirkus Murri – unter seinem Direktor Karlheinz Lehnhardt - gab eine Kurzvorstellung im Hofe des ehemaligen Brandplatzes. All die vielen aktiven Karnevalisten und schaulustigen Bürger (de halwe Fleck woar doa) machten den Ortsgewaltigen ihre Aufwartung. Die Honorationen wechselten kurze Begrüßungsworte, da begann es zu regnen was das Zeug hielt. Weder die Ortgewaltigen mit ihren Papierzylindern, noch die Karnevalisten ließen sich vom Wettergott beeinflussen. Es wurde gesungen, geschunkelt, gelacht, es war einfach toll. Das war die echte Laneburger Fassenacht. Nun ja, die Sache nahm ihren Lauf, alle wurden nass und immer nässer. Und dann, ob des Regens, weichten die Papierzylinder langsam aber sicher auf und nach und nach standen die Ortsgewaltigen mit einem schwarzen Papierkragen (Papierhutrand) um den Hals auf der Empore. Das Gelächter war groß, aber die Herren hielten tapfer aus. Für die Komiteeler war dieser Abend die Inbesitznahme der zukünftigen „Löhnberger Narhalla“. So etwas kostete natürlich auch Geld. Der Präsident, der Orgaleiter und der Finanzminister waren sich spontan darüber einig geworden, den Ausbau und die Gestaltung der Bühne zu finanzieren. Vom Komitee abgesegnet wurde so verfahren. Hier sollte unser langjähriges Komiteemitglied Rudi Bahr erwähnt werden, der mit dem Orgaleiter Gerhard Zipp (inzwischen zum Präsidenten gewählt) zusammen ein tolles Bühnenbild (die Laneburg) gestaltete. Der Saal wurde in mühevoller Arbeit von den Komiteemitgliedern in einen wahren siebten Fastnachts-Himmel verwandelt. Tausende bunte Metallfolien ließen den Saal in allen Farben erstrahlen. Von den Wänden grüßten fast lebensgroß gestaltete bunte Fastnachtsfiguren (gestaltet von der Braut des späteren Kirchenpräsidenten, dem aus Löhnberg stammenden Helmut Hild).

In der Kampagne 1952 erklangen erstmals die Fastnachtsfanfaren in der Neuerbauten „Laneburger Narhalla“.

Als Prinz Fritz I. (Fritz Geisler) mit großem Gefolge, dem neugewählten Präsidenten Gerhard Zipp mit seinen närrischen Ministern und Kollegen Einzug in die Halle hielt, wollte der Beifall keinen Ende nehmen. Büttenredner aus Nah und Fern stellten sich vor, aber der heimische Karnevalist Helmut Nies war unübertroffen mit seinen Vorträgen. Viele Jahre war er „der Laneburger Büttenredner"!

Die Zeit der Fastnachtsumzüge in Löhnberg ging vorbei. Aber einmal noch, im Jahre 1953, schlängelte sich ein Festzug durch die Straßen Löhnbergs. Es war der Größte und aufwendigste Zug in der Geschichte der Löhnberger Fastnacht. Prinz Willi I. (Willi Wershofen) erwies dem Närrischen Volk seine Referenz aus einem über dimensionalen Weinpokal (seine Heimat war die Aar, da wächst der Wein so gut). 62 Wagen und Gruppen, mehr als 1 km lang, bildeten einen noch nie dagewesenen Umzug. Abertausende Besucher säumten die Straßen. Ein voller Erfolg.

Die Prunksitzungen in der Halle waren die absoluten Glanzpunkte der Laneburger Fastnacht. Löhnberg war von nun an die absolute „Metropole des Karneval an der Lahn“.

Am Aschermittwoch 1954 konnte man in allen Zeitungen lesen: „Ein bis dahin nicht dagewesenes Ereignis vollzog sich in der Laneburg. „Prinz Helmut I." (Helmut Leichthammer) seines Zeichens arbeitsloser Zimmermann (infolge des strengen Winters) übernahm das Zepter der Laneburger Fastnacht. Das Motto der Kampagne lautet: Nicht Reichtum und Geld braucht man hier um fröhlich und voller Humor zu sein, allein der Sinn für die Fastnacht beflügelt die Löhnberger zu größten Opfern.

In den Folgejahren traten immer wieder „Laneburger“ ins Rampenlicht, waren viele Jahre auf der Bühne und sind bis heute unvergessen. Beispielsweise Anfang der 50erJahre Heiner und Phillip, im Frack mit Melone (Heinz Caspari und Rudi Bahr) die den Löhnberger Klatsch gekonnt glossierten, bis Karl und Erna (das Ehepaar Rödelsperger) den Platz vor der Bütt für viele Jahre belegten. Manch altbekannte Jecken traten auf der Bühne ins Rampenlicht - ob Willi Wershofen (gewesener Prinz), das Nachwuchstalent Gottfried Menger, Harald aus der Brunnengass (Harald Zanner) oder das Gesangstrio die HARWIGS (Egon Schamp, Winfried Geis, Harald Schmidt). Eine Aufstellung aller Büttenredner, Protokoller, Gesangsgruppen oder sonstiger Aktiven die über viele Jahre die Veranstaltungen geprägt haben würde den Rahmen sprengen.

1957 regierte Egon Schamp die Narrenschaar. Der erst 17- jährige trat er als singender Prinz Egon I. ins Rampenlicht und prägte danach die Lahneburger Fassenacht viele Jahrzehnte mit.

Es war auch das Jahr in dem der seit der Vorkriegszeit amtierenden Zeremonienmeister Theodor Fischer die Stabführung für viele Jahre an Heinz Strauß abgegeben hat.

Zum 90. jährigen Jubiläum 1958 der Laneburger Fastnacht residierte Prinz Winfried I. (Winfried Geis). Zu dieser Zeit setzten die zur „Hofkapelle der Laneburger“ ernannten Egerländer Musikanten unter der Leitung von Rudi Kugler mit dem von ihnen komponiert und getexteten Laneburger Schunkelwalzer neue Akzente. Nach Prinz Winfried I. residierten in der Lahneburger Fassenacht noch viel weitere Prinzen.

Unvergessen war die Kampagne 1986, als durch den Umbau der Volkshalle die Narren ihr Domizil im Löhnberger Schützenhaus aufgeschlagen hatten. Im „kleinen“ Schützenhaus regierte der „kleine“ Prinz – Manfred (Lichert). Obwohl die Räumlichkeiten sehr beengt waren und viel Improvisationstalent gefragt war, schafften es die Narren doch das Publikum zu begeistern.

Die Regentschaft von Prinz Martin (Dieterle) ist die längste in der Geschichte des Lahneburger Karnevals. Durch den Ausbruch des Golfkrieges 1991, entschieden sich die Fassenachter die Veranstaltungen abzusagen, so dass Prinz Martin bis zur Kampagne 1992 regierte.

Ein Novum gab es in der Kampagne 2007 – 2008. Zum ersten Mal in der Geschichte der Lahneburger Fassenacht regierte eine Frau die Narrenschar. Es handelt sich dabei um Prinzessin Ute I. (Ute Deissmann-Hauser). Mit Ihrem Schlachtruf "Helau, der Löhnberger Prinz ist eine Frau!" startete sie in die Kampagne 2008. In diesem Jahr erlebte die Lahneburger Fassenacht noch eine weitere Premiere. Prinzessin Ute I. rief mit Ihren Kameradinnen von den Sauerbornspatzen, eine Frauensitzung ins Leben. Diese Veranstaltung wurde ein voller Erfolg und ist bis zum heutigen Tag ein fester Bestandteil des Lahneburger Veranstaltungsprogrammes.

In den Jahren 2014-2016 hieß es „Lahneburger-Karneval on Tour“. Bedingt durch die Brandschutzauflagen konnte die Löhnberger Volkshalle nicht mehr genutzt werden. So fanden die Veranstaltungen in den umliegenden Ortschaften Waldhausen, Selters, Obershausen, sowie dem Schützenhaus und im Gasthaus zur Krone statt. Mit einem eigens eingerichteten Shuttleservice wurden die Zuschauer zu den Veranstaltungen in den umliegenden Orten gebracht und geholt.

Prinzessin Kaddy I. (Kaddy Schmidt) war es vorbehalten 2017 die erste Regentin im neu erbauten Löhnberger Dorfgemeinschafshaus – der Lahneburger Lilie - zu sein.

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